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Old 06-04-2011, 06:28 PM   #16
stranger
 
Join Date: May 2010
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Re: Poker und Strafrecht

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Originally Posted by FlippoManiacs View Post
Echt schade, hast dir sicher sehr viel Mühe mit dem Post gegeben. Leider werden nur die hiesigen Suppenkasper Lust auf eine Diskussion haben.
Das ist kein Problem, ich habe auch offen gestanden keine Lust, endlos mit Roulettespielern und Verschwörungstheoretikern zu diskutieren (erfahrungsgemäß ist das ebenso sinnlos wie eine Diskussion mit Homöopathieanhängern oder Kreationisten). Da schreibe ich lieber einmal im Jahr einen längeren Artikel und versuche da, ein Thema vollständig zu behandeln.

Entstanden ist das ganze letztlich aus der Frage "Wie würde ich selbst, falls es einmal nötig sein sollte, einem Richter erklären, daß ich zwar gepokert habe, aber mitnichten ein Glücksspiel betrieben habe (ich bin ja schließlich nicht blöd)." Und vielleicht hilft's ja mal jemandem.
Perhas is offline   Reply With Quote
Old 06-04-2011, 06:32 PM   #17
centurion
 
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Re: Poker und Strafrecht

Da ich bei Go nicht mitreden kann, zurück zum Schach:

Bei gleichstarken Spielern hat der Weisse den sogenannten Anzugsvorteil, den er mit harter Arbeit und Geschick manchmal in einen Sieg ummünzen kann.

Beim Poker ist in meinem Beispiel kleines Pocket gegen AKo das Pocket 55% Favorit, jetzt kommt das Glückselement, der Flop:

Flopt ein Ass oder König sind die Chancen nach dem Flop nur noch 10% für den, der vor dem Flop den leichten Vorteil hatte.

Flopt kein Ass oder König sind die Chancen etwa 70% für das

Pocket und dies nach einer von vier Bietrunden.

Vergleichbare Verhältnisse hast Du beim Schach schlichtweg nicht, dass sich Dein leichter Vorteil aufgrund des Charakters des Spiels in einen 90% Nachteil dreht.

Nebenbei siehst Du, dass Poker auf die Dauer auch den Remistod stirbt, denn die Skill ist es, schlicht als Weisser mit dem Pocket vor dem Flop alles reinzustellen und als Schwarzer mit AK zu folden. Da ja Weiss und Schwarz immer gleich verteilt sind.......
Sharkhunter2005 is offline   Reply With Quote
Old 06-04-2011, 06:43 PM   #18
centurion
 
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Re: Poker und Strafrecht

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Originally Posted by Perhas View Post
Das ist kein Problem, ich habe auch offen gestanden keine Lust, endlos mit Roulettespielern und Verschwörungstheoretikern zu diskutieren (erfahrungsgemäß ist das ebenso sinnlos wie eine Diskussion mit Homöopathieanhängern oder Kreationisten). Da schreibe ich lieber einmal im Jahr einen längeren Artikel und versuche da, ein Thema vollständig zu behandeln.

Entstanden ist das ganze letztlich aus der Frage "Wie würde ich selbst, falls es einmal nötig sein sollte, einem Richter erklären, daß ich zwar gepokert habe, aber mitnichten ein Glücksspiel betrieben habe (ich bin ja schließlich nicht blöd)." Und vielleicht hilft's ja mal jemandem.

Vergiss nicht zu erwähnen, dass Du auch technische Hilfsmittel (Zusatzsoftware) benützt hast, falls Du es denn getan haben solltest, die Dir geholfen hat, in kritischen Situationen die richtige Entscheidung zu treffen.

btw: Wenn Du in Deutschland tatsächlich in eine solche Situation kommen solltest, vor Gericht zu stehen, hast Du einen Anwalt, der Deine Stellungnahme entsprechend würdigt und Dir dann nahelegt, ihn alles machen zu lassen und selbst nichts zu sagen.

Last edited by Sharkhunter2005; 06-04-2011 at 06:55 PM.
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Old 06-04-2011, 07:37 PM   #19
self-banned
 
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Re: Poker und Strafrecht

tl;dr

cliffs?
ready 2 win is offline   Reply With Quote
Old 06-04-2011, 08:05 PM   #20
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Re: Poker und Strafrecht

das liest sich eher nach nem plädoyer skat als glücksspiel umzudefinieren...(zurecht imo, viel größerer luck faktor als beim poker)
SirGaribaldi is offline   Reply With Quote
Old 06-04-2011, 09:48 PM   #21
Carpal \'Tunnel
 
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Re: Poker und Strafrecht

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Originally Posted by Perhas View Post
Nach zwei Jahren Mitlesen ist es Zeit für ein Delurk. Am Feiertag bin ich endlich dazu gekommen, diesen Text fertigzustellen.
Ich hätte mich sicherlich darüber gefreut, wenn du es bereits früher getan hättest. Der gesamte Artikel macht auf mich den Eindruck, als hätte ihn BigGrain der Häuptling der Blackfeet Indianer diktiert und/oder hier einen seiner besten Krieger vorbeigeschickt.

Deshalb habe ich mir die Mühe gemacht, den Delurk entsprechend zu würdigen. Leider finde ich deine Betrachtung nur sehr schmalspurig und wenig durchdacht.

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Originally Posted by Perhas View Post
(Nicht daß ich glaube, McS überzeugen zu können; trotzdem sollte man aber seine "Argumente" nicht völlig unwidersprochen stehen lassen - sonst glaubt das womöglich noch jemand.)
Du hast mir im Grunde nicht widersprochen, sondern weitgehend das wiederholt, was ich hier bereits vorgetragen habe. Nur deine Schlüsse sehen ein wenig anders aus, als meine.

Schlage vor, du bringst deine mathematischen Überlegungen ins probability Forum oder hier in diesen "Fight for Poker Rights" Thread. Einige mathematisch sehr versierte Leute im amerikanischen Forum, insbesondere wohl "spadebidder", "Sherman", sowie einige andere, vermutlich auch Mason Malmuth warten bereits sehnsüchtig darauf, dass du es versuchst und mit deinen Betrachtungen einen Härtetest durchläufst, der danach auch in USA alle Zweifel ausräumen könnte. Wenn ich es wirklich könnte, hätte ich es vermutlich bereits versucht.

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Originally Posted by Perhas View Post
Die strafrechtliche Argumentation ist nicht eins-zu-eins auf die steuerrechtliche zu übertragen, insbesondere da sich die Strafrechtler immer auf den Durchschnittsspieler als Maßstab beziehen, die Steuerrechtler dagegen nicht.
Ich bin kein ausgebildeter Jurist, vor allem kein Strafrechtler. Aus meiner Sicht kommt es strafrechtlich auf die individuelle Schuld an, also insbesondere die Vorwerfbarkeit vorsätzlichen oder fahrlässigen Verhaltens. Deine Argumentation kann ich bestenfalls als Schutzbehauptung verstehen. Weitere Auslegungen sind Strafrechtlern vorbehalten. Ich bin keiner und kann insoweit nicht mitreden.

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Originally Posted by Perhas View Post
Sicherheitshalber noch ein Hinweis: Wie man dem Text wahrscheinlich anmerkt, kenne ich mich zwar mit Mathematik aus, bin aber in Jura nur ein interessierter Laie. Jegliche Verwendung des Textes zu juristischen Zwecken geschieht auf eigene Gefahr.
Wie man deinem Text deutlich anmerkt, verfolgst du bestimmte Interessen, welche nach meinem Verständnis deutlich über die eines normalen Pokerspielers hinausgehen. Welche das genau sind, kann ich wohl zwischen den Zeilen herauslesen. Aber immerhin sehe ich in deinem Text ein Bemühen eine vernünftige Diskussionsbasis zu finden. Ob das hier im G2+2 Forum derzeit gelingt, werden wir wohl noch abwarten müssen.

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Originally Posted by Perhas View Post
Als Grund für das Unterscheidung zwischen (verbotenem) Glücksspiel und (straflosem) Geschicklichkeitsspiel wird in der juristischen Literatur gewöhnlich angegeben, daß beim Glücksspiel der natürliche Spieltrieb zu Gewinnzwecken ausgebeutet werde, und daß der Spieler vor dieser Ausbeutung geschützt werden müsse.
Ich behaupte, dass die meisten deutsche Pokerspieler bei der derzeitigen Struktur des Internet-Pokers insbesondere von Poker-Affiliates ausgebeutet werden. Nur relativ wenige (sharks) profitieren davon, wenn relativ ahnungslose Spieler (Fishes) zu einem Spiel verlockt werden, von dem sie zunächst mal nicht wirklich Ahnung haben oder erst noch viel lernen müssen. Ein Poker-Affiliate (Zuhälter) ist dabei nach meiner Definition ein gewerblich handelnder Agent für illegale Internet-Glückspiel-Betreiber (Prostituierte), der einen Anteil ihrer Gewinne einsammelt. Die Fishes müssen den Affiliate, der sicherlich nicht gemeinnützig handelt, in irgendeiner Form (insbesondere durch Teilnahme an einem illegalen Glückspiel) mitbezahlen. Genau darin liegt die Ausbeutung.

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Originally Posted by Perhas View Post
Beim Geschicklichkeitsspiel, bei dem der Durchschnittsspieler den Spielausgang überwiegend durch seine Kenntnisse, Fähigkeiten oder den Grad seiner Aufmerksamkeit beeinflussen könne, bestehe diese Gefahr dagegen nicht.
Insbesondere deshalb nicht, weil üblicherweise nachzuweisen ist, dass weitgehend immer der Bessere gewinnt, der Zufall auf Dauer eine relativ untergeordnete Rolle spielt und im Regelfall kein Geldeinsatz geleistet wird, der zu massiven Vermögensverlusten führen kann.

(Dass auch Skat- oder Schachspieler um viel Geld spielen können, von ihrem Spiel möglicherweise auch süchtig werden können, oder vereinzelnd auch schlechte Spieler gegen bessere Spieler durch Zufall entscheidend gewinnen können, bestreite ich nicht!).

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Originally Posted by Perhas View Post
Der Begriff "Ausbeutung" setzt eine Überlegenheit voraus. Wenn ein symmetrisches, faires Spiel ein reines Glücksspiel ist (beispielsweise Münzenwerfen), dann kann man damit niemanden ausbeuten.
Doch kann man! Wenn für das Spiel Spielgebühren erhoben werden, von denen die Organisatoren risikolos leben können, die Spieler zu diesem Spiel verleiten, dann kann man ganz deutlich von Ausbeutung reden, wenn die meisten Spieler nicht begreifen, dass sie bei diesem Spiel in eine große Verlustgefahr laufen, nur geringe Chancen auf einen Gewinn haben und sich gleichzeitig strafbar machen. Wenn dann auch das Spiel nicht wirklich "fair" ist und im Graumarkt systematisch geschummelt wird (um es noch höflich auszudrücken) und einige Spieler ihre ganze Energie danach ausrichten, wie sie dieses Spiel trotzdem schlagen können, dann kann man sehr wohl von Ausbeutung reden.

a) durch die Veranstalter und deren Mittelsmänner

b) durch die Spieler, die schummeln und behaupten, man könne bei diesem angeblich fairen Spiel auf Dauer leicht gewinnen.

Denn ohne den ahnungslosen Fish haben auch beim Poker die winning player nur sehr geringe Überlebenschancen! (Aha, ich rede also wohl davon, dass Poker unter bestimmten Umständen auch so etwas wie ein Geschicklichkeitsspiel sein kann!). Im Unterschied zu dir sind mir aber die ahnungslosen Fishes nicht vollkommen egal. Mein Gewissen und mein Verantwortungsgefühl streiken in diesem Bereich!

Quote:
Originally Posted by Perhas View Post
Das Ausbeuten des Gegenspielers ist bei einem symmetrischen, fairen Spiel überhaupt erst dann möglich, wenn das Spiel über einen signifikanten Geschicklichkeitsanteil verfügt. Ein Spiel wie Billard eignet sich beispielsweise recht gut dazu, arglose Gegner auszunehmen, und zwar gerade weil ein guter Spieler gegenüber einem Anfänger einen so erheblichen Vorteil hat. Daß der Gesetzgeber ausgerechnet diejenigen Spiele untersagt, bei denen der signifikante Geschicklichkeitsanteil fehlt, ist also einigermaßen widersinnig. .
Beim Billard wird in der Regel nicht systematisch bei jedem Stoss oder Spiel um Geld gespielt. Bei Billard-Turnieren bekommt der Spieler, der beste Können oder die beste Tagesform hatte, üblicherweise einen Preis. Bei Poker-Tournieren gewinnt nicht immer der beste Spieler, weil das Spiel weitgehend vom Zufall abhängig ist. Und wenn bei Poker-Turnieren häufig die gleichen Namen in Siegerlisten auftauchen, dann liegt das überwiegend daran, dass es diese Spieler mit ihren Glückspielgewinnen ungleich häufiger versuchen, als andere Spieler, denen das nötige Kleingeld zu ähnlich häufigen und kostspieligen Versuchen fehlt.

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Originally Posted by Perhas View Post
Warum dieses Beispiel? Zum einen zeigt Spiel 3, warum bei der strafrechtlichen Betrachtung der "durchschnittliche Spieler" als Maßstab gewählt wird: Auch wenn wir ein Rechengenie finden, das solche Aufgaben innerhalb von fünfzehn Sekunden im Kopf löst, ändert sich dadurch für den normalen Menschen nichts am Glücksspielcharakter von Spiel 3.
Du kannst es drehen wie du willst, dein Beispiel ist nicht mit Poker vergleichbar, weil du die Zufallsmomente und die damit verbundene unsichere Erwartung bei diesem Spiel nicht sehen willst oder unterbewertest.

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Originally Posted by Perhas View Post
Wenn ein Spieler sich wesentlich näher an der optimalen Strategie bewegt als sein Gegner - er also deutlich geschickter ist - dann wird er mit großer Wahrscheinlichkeit gewinnen.
Möglicherweise dann, wenn die Bedingungen für dieses Spiel immer konstant bleiben und du die Wirkungen des Rakes ignorierst.

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Originally Posted by Perhas View Post
Das übliche strafrechtliche Kriterium zur Unterscheidung zwischen Glücks- und Geschicklichkeitsspielen lautet, daß ein Spiel dann als Geschicklichkeitsspiel einzuordnen ist, wenn das Spielergebnis für den Durchschnittsspieler überwiegend von der Geschicklichkeit abhängt. Was bedeutet diese Forderung konkret?
Diese strafrechtliche Definition hast du imo frei erfunden. Ich sehe das ein wenig anders und vermisse in deinen Ausführungen insbesondere einen Bezug auf entsprechende strafrechtliche Gerichtsurteile.

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Originally Posted by Perhas View Post
Große Abweichungen von 0 sind sehr selten: Nur in 2,3% aller Fälle ist der Wert größer als 2, in 0,14% aller Fälle größer als 3 und in 0,003% aller Fälle größer als 4 (auf der negativen Seite entsprechend).
Große Abweichungen sind nach dem Gesetz der großen Zahlen in absoluten Werten betrachtet die Regel. Genau dieses Phänomen habe ich hier als die sog. Nicht-Wiederkehr auf der symmetrischen Odyssee auf Z bezeichnet. Und beim Poker gibt es ein riesiges Zusatzproblem, das darin besteht, dass sich die Parameter des Spiels (Erwartungswert und Standardabweichung) ständig ändern.

Was dabei Z bedeutet sollte dir als Mathematiker klar sein: Du brauchst für deine Betrachtungen erst mal einen konkret bestimmten Wahrscheinlichkeitsraum, der vermutlich mehrdimensional sein muss und die Konstruktion von kompletten Maßstäben.

Construction of a complete measure
Quote:
let Z be the set of all subsets of μ-measure zero subsets of X (intuitively, those elements of Z that are not already in Σ are the ones preventing completeness from holding true)
Und dann reden wir schnell über ein Problem, das der Japanische Mathematiker Shizuo Kakutani wie folgt formuliert hat:
Quote:
A drunk man will find his way home, but a drunk bird may get lost (in "probability" space) forever.
Du kannst (genau wie ich) mit all deinen statistischen Überlegungen schon deshalb nichts beweisen, weil du es immer auch mit dem Problem von "selection bias" und "survivorship bias" zu tun hast und jede Stichprobe, die du beim Poker ziehst, nichts anderes ist, als ein einziges Zufallsereignis, das aus bestimmten Bedingungen abgeleitet wurde, welche in dieser Form beim Poker nicht immer konstant und generell herrschen, sondern ebenfalls weitgehend vom Zufall abhängig sind. (Man könnte dich also z.B. hier im Forum als einen besonders für diesen Zweck ausgewählten "Krieger" begreifen. Ob deine Behauptungen wirklich wahr sind, ist ein weiteres Problem - auch wenn ich dir glauben mag!).

Meine wesentlichen statistischen Beiträge hier in diesem Forum beziehen sich auf konstante Bedingungen und meine Zielsetzung war es, die Richtigkeit der von Schlesinger beim Black Jack formulierten kurzfristigen Risk of Ruin Formel unter konstanten, immer gleich bleibenden Bedingungen unter Beweis zu stellen. Das hielt ich für erforderlich, weil ich nirgendwo eine Herleitung dieser Formen finden konnte.

Quote:
Originally Posted by Perhas View Post
Das heißt aber: außer wenn die Gegner exakt gleich stark sind, läßt sich das Verhältnis zwischen Erwartungswert (Geschicklichkeitsanteil) und Standardabweichung (Glücksanteil) immer beliebig groß machen - man muß nur die Anzahl der Spiele groß genug wählen.
Wie groß bitte? Sobald du die Anzahl der Spiele sehr groß machst, haben sich die Bedingungen des Spiels normaler zig-fach verändert und du kannst wieder von vorne mit deinen Messungen anfangen.

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Originally Posted by Perhas View Post
Die Definition des BGH ist allerdings nicht ganz unproblematisch:

Maßgebend für die Beurteilung sind dabei die Spielverhältnisse, unter denen das Spiel eröffnet ist und gewöhnlich betrieben wird, also die Fähigkeiten und Erfahrungen des Durchschnittsspielers. Den Maßstab hierfür bildet das Publikum, für das das Spiel eröffnet ist, nicht der geübtere oder besonders geübte Teilnehmer.
Ursächlich für die Überlegungen des BGH sind, den Durchschnittsspieler bei einem Spiel wie Poker um Geld (Fish) vor den wenigen winning players (Sharks) zu schützen. Alles andere ist gemäß deutscher Rechtsprechung wenig entscheidungsrelevant.

Quote:
Originally Posted by Perhas View Post
Gegen die Gleichsetzung von Standardabweichung und Glücksfaktor ist dabei wenig einzuwenden. Problematisch ist es, den Erwartungswert als Geschicklichkeitsanteil zu interpretieren, denn der Erwartungswert hängt bei einem symmetrischen Spiel nun einmal nicht von der Geschicklichkeit sondern vom Geschicklichkeitsunterschied ab.
Wenn man die sog. Edge statistisch unter konstanten Bedingungen greifen könnte und es nicht um ein Spiel um Geld ginge, bei dem die weit überwiegende Mehrheit der Spieler dauerhaft überwiegend rakebedingt verliert, könnte ich deiner Betrachtung etwas abgewinnen.

Quote:
Originally Posted by Perhas View Post
  • Es gibt nicht nur eine kleine Menge von geschickten Spielern, die einer großen Mehrheit von gänzlich inkompetenten Spielern gegenüberstehen (oder umgekehrt), sondern es gibt viele meßbare Geschicklichkeitsabstufungen zwischen dem absoluten Topspieler, dem guten Durchschnittsspieler, dem schlechten Durchschnittsspieler und dem völligen Laien.
  • Auch wenn Geschicklichkeit zum Teil eine Frage angeborener Begabung ist, kann ein Spieler grundsätzlich seine Geschicklichkeit durch Studium, Training und Erfahrung meßbar verbessern.
  • Insbesondere kann ein Anfänger auf diese Weise mit überschaubarem Aufwand ein Spielniveau erreichen, das sich deutlich von dem des völligen Laien unterscheidet.
Wenn du bei deinen Betrachtungen auch all diejenigen einbeziehen würdest, die es bereits vergeblich versucht haben und aufgrund solcher Behauptungen von falschen Erwartungen ausgegangen sind, dann würde ich dir hier sofort Recht geben. Was du hier mit diesen Behauptungen erreichst ist wenig geeignet, hier weiter zu helfen. Du denkst egoistisch nur an deine Zielsetzungen, die du mit solchen Behauptungen verfolgst. An die paar wenigen winning player, die dann unter bestimmten Umständen einen Haufen ungerechtfertigter deutscher Ertragssteuern bezahlen müssten (wesentlich mehr als du vermutlich jemals beim Poker gewinnen wirst), denkst du nicht.

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Originally Posted by Perhas View Post
Die Amerikaner nennen das den "Duck Test": "If it looks like a duck, swims like a duck, and quacks like a duck, then it probably is a duck." Ich denke, Poker hat den Duck Test für Geschicklichkeitsspiele bestanden.
Dein Individualglück oder Geschick als Duck bringt uns hier nicht weiter und sicherlich wird sich der Gesetzgeber dadurch nicht besonders beeindrucken lassen. Vielleicht aber Strafrichter, wenn sie die jeweilige Individual-Schuld unter die Lupe nehmen. Allerdings muss ein Strafrichter auch die Besoffenen in mehrdimensionalen Wahrscheinlichkeitsräumen im Auge behalten. Auch diese müssen von der Rechtsprechung und der Gesetzgebung in irgendeiner Form geschützt werden, damit sie in mehrdimensionalen Wahrscheinlichkeitsräumen ihren Weg nach Hause zurückfinden.

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Originally Posted by Perhas View Post
Ein Spieler, der gegen die Durchschnittsgegner seiner Stakes dauerhaft verliert, steigt vernünftigerweise irgendwann ab, und ein Spieler, der seinen Gegnern wirklich deutlich überlegen ist, versucht aufzusteigen. Das führt dazu, daß, auch wenn ich ein Level dauerhaft schlage, oft die Mehrheit der Gegner an meinem Tisch auf einem vergleichbaren Niveau spielt wie ich selbst. Wenn aber von acht Gegnern zwei besser spielen als ich selbst, zwei gleich gut und vier schlechter, dann tragen netto nur zwei zum Gewinn bei, jedoch alle acht zur Standardabweichung. Unter diesen Umständen kann man für das Verhältnis zwischen Gewinn und Standardabweichung keine extrem hohen Werte erwarten.

Bei dauerhaften Verlierern sieht die Situation übrigens meist anders aus. Der typische Fisch, äh, Aufsteiger sieht sich am Online-Pokertisch oft einer Schar von Gegnern gegenüber, die fast alle besser spielen als er selbst; zudem erhöht für ihn der Rake den Verlust. Wie Fiedler und Rock experimentell gezeigt haben, bewegt sich das Verhältnis von Verlust und Standardabweichung in so einem Fall innerhalb weniger tausend Hände in den statistisch signifikanten Bereich (allerdings geben Fiedler und Rock erstaunlicherweise keine Erklärung für diesen Unterschied zwischen Gewinnern und Verlierern an).
Du hast z.B. den Einfluss des Peter-Prinzips bei deinen Betrachtungen vergessen. Außerdem ignorierst du hier, die Risikobereitschaft der Spieler im Graumarkt total. Ferner abstrahierst du von der Kapitaleinsatzfähigkeit oder Kapitaleinsatzbereitschaft einzelner Spieler. Und schließlich übersiehst du, dass das Individual-Glück einzelner Spieler auch massiv von besonderen Situationen, wie z.B. auch von Einzelspielern wie Guy Laliberte (alias u.a. Lady Marmelade) mit mal soeben 17 Mio.$ Pokerverlusten abhängen kann oder tatsächlich auch vom Individualglück einzelner Sieler, z.B. davon:. "The house that luck builds". Weitere gute Argumente würden mir sicherlich bei einigem Nachdenken noch einfallen.

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Originally Posted by Perhas View Post
Das war das Plädoyer für die Einstufung von Poker als Geschicklichkeitsspiel. Kommen wir nun zu den Gegenargumenten:
Ich habe mich mit den strafrechtlich relevanten Aspekten wenig beschäftigt, kann also als Nicht-Strafrechtler nicht wirklich mitreden, auf was es ankommt.

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Originally Posted by Perhas View Post
"Aber bei Skat werden alle Karten ausgeteilt, darum haben die Spieler vollständige Information; bei Poker ist das nicht der Fall."
Man hat beim Skat deutlich mehr Möglichkeiten als beim Poker, bestimmte Wahrscheinlichkeiten ziemlich genau auszurechnen. Außerdem gibt es beim Skat bestimmte Techniken, wie z.B. das Augenmitzählen, das ich mit zu den spielentscheidenden Skilltechniken zähle. Ein geübter Skatspieler, der nie etwas von Mathematik gehört hat, zählt hier mitunter wesentlich besser als ein versierter Mathematiker. Tatsächlich ist Skat wohl überwiegend ein Geschicklichkeitsspiel und wird wohl auch deshalb nicht als Glückspiel betrachtet, weil es überwiegend nur zur Unterhaltung und nur gegen relativ geringe Einsätze gespielt wird. Außerdem gibt es bei diesem Spiel normalerweise kein Rake.

Imo kannst du jederzeit in einer Gaststätte Pokern, soweit der oder die Verlierer nur eine Runde Bier bezahlen mmüssen.

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Originally Posted by Perhas View Post
Abgesehen davon: Würde man Texas Hold'em mit vollständiger Information spielen (also alle Handkarten und das Board von vornherein offen austeilen), dann hinge das Ergebnis einer Hand für jeden, der in der Lage ist, das Board zu lesen, nur noch von der Kartenverteilung ab. Das wäre dann in der Tat ein reines Glücksspiel (genau wie Spiel 4). Die unvollständige Information erhöht nicht den Zufall, der durch das Mischen ohnehin vorhanden ist, sondern verringert ihn. Für Skat gilt das wahrscheinlich ebenfalls.
Paradox! Du nimmst nur die Technik des Bluffens weg. Auch dann wäre Poker aber noch kein reines Glückspiel. Die Bedeutung mathematischer Rechenkünste würde imo aber deutlich steigen.

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Originally Posted by Perhas View Post
Dem Profi wird aber von deutschen Oberfinanzdirektionen bescheinigt, daß sein Gewinn im wesentlichen von seiner Geschicklichkeit abhängt; folglich betreibe er ein Geschicklichkeitsspiel und müsse seinen Gewinn versteuern.
Die Begehrlichkeiten der Finanzverwaltung liegen auf der Hand. Vermutlich haben sie Leute wie du zu diesen Überlegungen gebracht. Einige Petitionen, die deutsche Politiker bereits im Jahre 2007 erhalten haben, sind mir nicht ganz unbekannt. Ob sich die Meinung der OFD durchsetzen wird, bezweifele ich. Jedenfalls wird wegen Poker das deutsche Ertragssteuerrecht nicht umgeschrieben. Und wenn doch, dann anders, als du dir das erwünscht.

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Originally Posted by Perhas View Post
Wer behauptet, auf den Micros, wo zweistellige Gewinn- bzw. Verlustraten nicht ungewöhnlich sind, sei die Abhängigkeit der Spielergebnisse von der Geschicklichkeit geringer, macht sich lächerlich.
Ich kenne die Micro-Stats von einigen Spielern hier im Forum und auch meine. Alles was ich bisher gesehen habe, sieht wenig erfreulich aus. Vereinzelt mag es zufallsbedingt andere Darstellungen geben. Solche habe ich phasenweise auch bereits in meinen eigenen Stats erlebt. Das massiv dominierende Rake auf diesen Limits lässt sich allerdings nicht verleugnen.

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Originally Posted by Perhas View Post
"Aber man kann von einem Durchschnittsspieler nicht erwarten, daß er komplizierte Wahrscheinlichkeitsberechnungen im Kopf ausführt."
Man kann wohl nicht ernsthaft behaupten, daß das Berechnen der drei Formeln "River-Odds = 2 * Outs", "Turn-Odds = 4 * Outs falls Outs <= 9" und "Turn-Odds = 3 * Outs + 9 falls Outs > 9" komplizierter ist als das Mattsetzen mit Turm und König.
Das Berechnen ist in dieser Form tatsächlich relativ einfach. Im obigen Sinne können fast alle Spieler bzw. Gegner rechnen, womit noch nicht bewiesen ist, das Poker zum Geschicklichkeitsspiel wird. Du kannst auch der beste Rechenkünstler sein und eine entscheidende Hand trotzdem verlieren oder umgekehrt betrachtet, der schlechteste Rechner sein, und die entscheidende Hand, die zum großen Triumph führt, trotzdem gewinnen.

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Originally Posted by Perhas View Post
"Aber es gibt bei Poker keine Strategie, die sicher zum Gewinn führt."
Jedenfalls gibt es aus meiner Sicht keine, die man käuflich erwerben könnte. Und sicherlich gibt es derzeit auch noch keine, mit der der weltbeste Bot gegen den weltbesten Pokerspieler unter fairen Bedingungen auf Dauer gewinnt.

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Originally Posted by Perhas View Post
"Aber es gibt gute Pokerspieler, die ständig verlieren."
Ständig verlieren ist wohl übertrieben. Es gibt allerdings einige sehr gute und auch intelligente Pokerspieler, die mit sehr hohen Verlusten in Millionen Höhe aufgefallen sind und bereits mehrmals in ihrem Leben fast alles verloren haben. Es gibt auch einige Poker Pros, die massiv überschuldet sind und nach außen "mehr Schein als Sein" verkörpern.

Warum einige Pokerspieler so viel Geld verloren haben, weiß man auch nicht so genau. Oft sind die Verhältnisse beim Live-Spiel auch genau umgedreht!

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"Aber auch ein Winning Player kann pleite gehen."
Daß ein Spieler trotz positiven Erwartungswertes eine längere Verluststrecke erlebt ist bei keinem Spiel, das auch nur irgendeinen Zufallsanteil besitzt, auszuschließen. Kennt man Erwartungswert, Standardabweichnung und Bankroll, dann kann man die Wahrscheinlichkeit eines Totalverlustes nach der Formel exp(-2*Bankroll*EV / SD^2) ausrechnen. Wenn ich meine NL50-Werte von 2010 dort einsetze, bekomme ich eine Bankrottwahrscheinlichkeit von 1 zu 16000; wenn ich auf NL25 absteige, erhalte ich 1 zu einer Billion. Damit kann ich recht gut leben. Wenn mir der Wert zu hoch wäre, müßte ich halt mit kleineren Buy-Ins spielen.
Damit stellst du fest, dass die Fähigkeit bei diesem Spiel zu überleben auch etwas mit der Fähigkeit zu tun hat, möglichst viel Kapital bei diesem Spiel aufzubringen. Wenn ein Spieler über nahezu unbegrenzte Kapitalien verfügt, dann geht er vermutlich nicht so schnell broke, als ein Spieler, der auf monatlicher Basis mit sehr geringen Einkünften auskommen muss und sich keinen großen Verlust erlauben darf oder will.

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Originally Posted by Perhas View Post
"Aber wegen des Rakes ist es bei Poker grundsätzlich unmöglich, langfristig das Spiel zu schlagen."
Das ist Roulettespielerdenke. Bei Poker muß man nicht das Spiel schlagen; es reicht, den Gegner zu schlagen. Wer bei Poker keine schlagbaren Gegner findet, hat entweder nicht gut genug gesucht, oder spielt selbst erbärmlich schlecht. Als Durchschnittsspieler findet man in den Microstakes schlagbare Gegner zuhauf - ganz NL2 ist voll davon.
Wenn man beim Poker den Gegner schlägt, hat man damit noch nicht notwendigerweise das Rake geschlagen, das in der Regel deutlich höher ist als der Hausvorteil beim Roulette. Und auch beim Roulette gibt es Möglichkeiten, den Hausvorteil mehr als nur zu neutralisieren. Es müssen nur zwei Zahlen gegenüber einer Gleichverteilung deutlich zurückbleiben und schon hat der Spieler gegenüber der Bank einen theoretischen Vorteil.

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Originally Posted by Perhas View Post
"Aber Poker spielt man aus Geldgier und um hohe Beträge, während bei Geschicklichkeitsspielen die Unterhaltung im Vordergrund spielt."
Wenn man Poker nur als Unterhaltungsspiel begreift, kann man imo nicht viel verlieren. Wenn man Poker spielen muss, um seinen Lebensunterhalt zu finanzieren, dann sieht die Betrachtung imo etwas anders aus. Ich habe nichts dagegen, wenn es Leute gibt, die sich damit ihren Lebensunterhalt verdienen. Freue mich sogar über sie. Allerdings bin ich dafür, dass niemand aus Geldgier an den Einsätzen von Pokerspielern ohne eigenen Risikoeinsatz mitverdienen. Dass die Pokerseiten als Wirtschaftsbetrieb ein rentierliches Rake verdienen müssen, ist die eine Sache. Die andere ist, dass es keine Affiliates geben muss, die am Rake bis zu 50% und noch wesentlich mehr dauerhaft mitverdienen. Auch halte ich es für total unfair, wenn einzelne Spieler Rakeback bekommen und andere nicht.

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Originally Posted by Perhas View Post
"Aber wer Poker als Geschicklichkeitsspiel einordnet verharmlost seine Gefahren."
Wenn es eine Unterstellung gibt, auf die ich wirklich gereizt reagiere, dann diese.
Spätestens hier machst du imo sehr deutlich, wessen Geistes Kind du bist und welche Energien dich antreiben. Du verharmlost alle Risiken und Gefahren, die beim Internet Poker derzeit existieren. Jugendschutz, Verbraucherschutz und Spielsuchtprävention all das interessiert dich nicht. Warum wohl? Weil dich ein Richter bestrafen könnte, dir jemand dieses Spiel verbieten will oder weil deine dicken Einnahmequellen in Gefahr stehen, demnächst auszutrocknen?

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Originally Posted by Perhas View Post
"Aber der Glücksspielstaatsvertrag definiert Poker als Glücksspiel."
Der Glücksspielstaatsvertrag ist eine verwaltungsrechtliche Vereinbarung der deutschen Bundesländer, er beeinflußt das StGB nicht.
Die Glückspieldefinition im GlüStV gelten entsprechend auch im StGB. So bereits alte Gerichtsurteile vor Gültigkeit des derzeitigen GlüStV. Das einzige Problem, das es in diesem Bereich wohl gibt, besteht darin, dass der GlüStV Länderangelegenheit ist und das Strafrecht in die Gesetzgebungskompetenz des Bundes fällt. Die Länder und der Bund werden sich genau in diesem Bereich eine Regelung einfallen lassen, damit die strafrechtlichen Bestimmungen in Zukunft wasserdicht sind und nicht einfach durch kompetente Rechtsanwälte ausgehebelt werden können.

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Originally Posted by Perhas View Post
"Aber das Reichsgericht hat 1906 entschieden, daß Poker ein Glücksspiel ist."
good luck beim Versuch, diese Rechtsprechung, die sich mittlerweile durchgesetzt hat und nach ganz herrschender Ansicht keinen ernstzunehmenden Zweifel zulässt, aus der Perspektive des Durchschnittsspielers zu kippen. Aus meiner Sicht ist dieser Versuch, eine Schutzbehauptung zu kreiiren, chancenlos und die dafür notwendigen Prozess- und Rechtsanwaltskosten kann man sich imo auch sparen. Besser wäre nach meinem Dafürhalten, dieses Geld dafür anzulegen, um auf politischer Ebene zumindest eine Übergangsregelung für Poker zu erreichen, mit der Zielsetzung, für dieses Spiel, das sicherlich kein reines Glückspiel darstellt, eine Sonderregelung zu erlangen.

Quote:
Originally Posted by Perhas View Post
"Aber wenn Poker ein Geschicklichkeitsspiel ist, dann muß man Gewinne versteuern."
Genau so ist das. Ahnliche Überlegungen, wie du sie hier im Thread verbreitest, haben die Finanzverwaltung vermutlich wachgerüttelt. Möglicherweise versucht man über diesen Weg auch einen Ersatz für den zugefügten Schaden zu erhalten.

Quote:
Originally Posted by Perhas View Post
Andererseits muß ich sagen: solange die Versteuerung vernünftig geregelt ist, könnte ich auch mit einer Steuerpflicht leben - meine anderen Einkünfte versteuere ich ja auch. Vernünftig geregelt bedeutet für mich: es wird nur der Nettogewinn des Jahres versteuert, es gibt eine sinnvolle Freigrenze, es gibt wie bei anderen Selbständigen die Möglichkeit zum Verlustvor- und -rücktrag (d.h., Gewinne eines Jahres können mit Verlusten eines anderen Jahres verrechnet werden) und es werden keine Vorschüsse auf hypothetische zukünftige Gewinne gefordert. Das ist allemal besser als eine vollständige Gewinnabschöpfung wegen Verstoßes gegen das Glücksspielverbot.
LAL
Accurata Utopiae Tabula


Quote:
Originally Posted by Perhas View Post
"Aber ich bin seit 20 Jahren Glücksspieler und betrachte Poker als Glücksspiel."
Ich kenne dieses Problem bereits länger als 20 Jahre und habe noch nie erlebt, dass ernsthaft über dieses Problem gestritten wurde. Dieser Streit ist wohl erst mit der Einführung von Internet-Poker entstanden, weil die Leute im Graumarkt die Illegalität mit Schutzbehauptungen umgehen wollten. Wenn Poker wirklich ein Geschicklichkeitsspiel wäre und es dabei keine Gefahren gäbe, dann wäre es wohl kaum zu einem Black Friday gekommen.

Und wie bereits Mason Malmuth hier im Forum zum Ausdruck brachte.

Quote:
The article says that since poker is a game of skill it is not gambling. Yet, not only is it gambling, everyone knows that the case. .

Ein paar Überlegungen zum Abschluss, die mir beim Lesen deines Beitrages so eingefallen sind:

1)
Quote:
Der Text im Wesentlichen: Black Friday zerstört Familien, da vielen die Lebensgrundlage (Onlinepoker) entrissen wurde!
2) Du redest von Poker als Geschicklichkeitspiel unter strafrechtlichen Aspekten. Deine Zielsetzung ist dabei folgende. Pokerspieler haben eine kleine Chance, sich mit geeigneten Schutzbehauptungen strafrechtlich davonzustehlen, zumindest können sie vermutlich derzeit noch erreichen, dass ihr Verfahren wegen geringer Schuld eingestellt wird. (Ob das auch in Zukunft gelingt, weiß ich nicht!). Dabei interessiert es dich überhaupt nicht, ob die paar echten winning player auf ihre Gewinne Steuern bezahlen, sich im Graumarkt u.U. wie Steuerhinterzieher verhalten müssen und sich dann mit entsprechender Begründung wegen Steuerhinterziehung strafbar machen. Wichtig ist für dich scheinbar nur, dass die Affiliates und die diversen Glückspielseiten im Graumarkt dieses Spiel weiterhin nach freiem Belieben organisieren können und deutsche Pokerspieler sowie der deutschen Staat an der Nase herumführt führt.

3) Soweit dein Beitrag darauf abzielt, dass Poker eben kein reines Glückspiel ist, stehe ich deinen Betrachtungen nicht abneigend gegenüber. Mit deinen Ausführungen wird sich aber die derzeitige Definition des Glückspiels im deutschen Recht nicht umgehen lassen.

4) Um hier abschließend auf BigGrain, dem Häuptling der Blackfeet Indianer, zurückzukommen, der hier vermutlich etwas zur Belebung der Diskussion beitragen möchte. Könnte ja wirklich sein, dass McS (alias Winston Churchill) alles ein wenig sehr egoistisch und einseitig betrachtet und genau das kann der Häuptling BigGrain nicht ertragen. Deshalb ist er empört und reagiert jetzt wirklich sehr gereizt. (Einen Link habe ich entfernt, damit mir niemand mit bestimmten Vergleichen einen Vorwurf machen kann):
Quote:
"Die Pokerwelt brennt. Deutschland liegt demnächst in Schutt und Asche. Und der USA geht es auch nicht viel besser. Nur einer lässt sich nicht unterkriegen. Im Führerbunker brennt noch Licht: "Ich sitze in meinem Bunker mitten auf Gibraltar …. und zahle in Deutschland keine Steuern und niemand kann mich hier bestrafen...… Aber keiner hört mehr auf mich ….. und hinter allem steckt dieser Churchill, das tut weh das tut weh! Ich steh jetzt allein da mit Blondie… Ich kapituliere nie, niemals!"
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Originally Posted by Perhas View Post
Das ist kein Problem, ich habe auch offen gestanden keine Lust, endlos mit Roulettespielern und Verschwörungstheoretikern zu diskutieren (erfahrungsgemäß ist das ebenso sinnlos wie eine Diskussion mit Homöopathieanhängern oder Kreationisten). Da schreibe ich lieber einmal im Jahr einen längeren Artikel und versuche da, ein Thema vollständig zu behandeln.
Im ernst. Prüfe deine Überzeugung und überlege dir genau, ob du dieses Thema vollständig behandelt hast. Du hast es weder mathematisch vollständig betrachet, noch hast du damit dein strafrechtliches Problem beseitigt.
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Originally Posted by Perhas View Post
Entstanden ist das ganze letztlich aus der Frage "Wie würde ich selbst, falls es einmal nötig sein sollte, einem Richter erklären, daß ich zwar gepokert habe, aber mitnichten ein Glücksspiel betrieben habe (ich bin ja schließlich nicht blöd)." Und vielleicht hilft's ja mal jemandem.
Vermutlich wird dir der Richter noch etwas anderes erzählen. Eine kurze Ausführung über den Schutzzweck der Strafgesetze. Vielleicht wird er dir auch einige Dinge vorhalten, die ich oben bereits ausgeführt habe. Und im Übrigen gilt: (Vorgetäuschte) Unwissenheit schützt vor Strafe nicht.

Du bist bestens beraten, mit mir eine Übergangs- oder Sonderregelung für Poker anzustreben.
McSeafield is offline   Reply With Quote
Old 06-05-2011, 02:56 AM   #22
Carpal \'Tunnel
 
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Re: Poker und Strafrecht

tl;dr²
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Old 06-05-2011, 03:32 AM   #23
Pooh-Bah
 
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Re: Poker und Strafrecht

Beim Vergleich Schach mit Poker reicht mir eigentlich das Aufzeigen, dass auch Schach einen Zufallsanteill hat.

Warum auch einige andere Kartenspiele, nach den Richtlinien die der Gesetzgeber für Poker anwendet, nicht auch als Glücksspiele eingestuft sind, war mir immer schon unklar.

Wer für seine Pokertätigkeit eine Strafanzeige zu befürchten hat, sollte sich unbedingt eine Rechtsschutzversicherung nehmen, wenn er sich nichtschuldig bekennen will. Das wird dann eine teure "Schlacht" zwischen Sachverständigen.
K47W11 is offline   Reply With Quote
Old 06-05-2011, 03:45 AM   #24
Pooh-Bah
 
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Re: Poker und Strafrecht

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Originally Posted by Sharkhunter2005 View Post
sondern als Berufsspieler ?
Ich denke er wäre schlau genug um andere für sich spielen zu lassen. Wer beruflich mit Poker Geld verdienen will, sollte sich an Korn ein Beispiel nehmen.
K47W11 is offline   Reply With Quote
Old 06-05-2011, 03:57 AM   #25
Pooh-Bah
 
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Re: Poker und Strafrecht

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Originally Posted by McSeafield View Post
... Aber immerhin sehe ich in deinem Text ein Bemühen eine vernünftige Diskussionsbasis zu finden. Ob das hier im G2+2 Forum derzeit gelingt, werden wir wohl noch abwarten müssen.
...
Nach diesen Zeilen habe ich aufgehört weiterzulesen, weil nichts Neues von dir zu erwarten ist.

Wenn es hier zu einer vernünftigen Diskussion kommen soll, dann musst du dich dabei sehr zurückhalten!
K47W11 is offline   Reply With Quote
Old 06-05-2011, 04:13 AM   #26
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Re: Poker und Strafrecht

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Originally Posted by Perhas View Post
Das ist kein Problem, ich habe auch offen gestanden keine Lust, endlos mit Roulettespielern und Verschwörungstheoretikern zu diskutieren (erfahrungsgemäß ist das ebenso sinnlos wie eine Diskussion mit Homöopathieanhängern oder Kreationisten). Da schreibe ich lieber einmal im Jahr einen längeren Artikel und versuche da, ein Thema vollständig zu behandeln.

Entstanden ist das ganze letztlich aus der Frage "Wie würde ich selbst, falls es einmal nötig sein sollte, einem Richter erklären, daß ich zwar gepokert habe, aber mitnichten ein Glücksspiel betrieben habe (ich bin ja schließlich nicht blöd)." Und vielleicht hilft's ja mal jemandem.
Sorry falls ich auf dem Schlauch stehe, aber inwieweit spielt bei der Frage der Legalität des Pokerns eine Rolle, ob es als Glücks- oder Geschicklichkeitsspiel einzuordnen ist?

PS: Deine Posts machen insgesamt einen guten Eindruck, aber auch wenn ich die Einstellung "Ich möchte mich auf keine Diskussionen einlassen sondern lieber einen längeren Post verfassen der das Thema umfassend abhandelt" zum Teil verstehen kann. So finde ich es doch gleichzeitig schade.
Wenn jemand behauptet bei einem bestimmten Thema den kompletten Durchblick zu haben und nicht mehr offen ist für Einwände, dann zeugt das nicht von Intelligenz sondern von Ignoranz.
Und for the record: Homöopathie kann genauso funktionieren wie z.B. geistiges Heilen. Beschäftige dich mal intensiv mit Quantenphysik, dann hörst du vielleicht auf zu denken, dass etwas "unmöglich" ist oder "gar nicht sein kann".
DwarF is offline   Reply With Quote
Old 06-05-2011, 04:32 AM   #27
Pooh-Bah
 
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Re: Poker und Strafrecht

Im §284 steht ja nicht das Pokerspiel sei verboten, sondern Glücksspiele. Wenn nachgewiesen werden kann, dass Poker kein Glücksspiel ist, dann wäre dieser Paragraph nicht anwendbar.
K47W11 is offline   Reply With Quote
Old 06-05-2011, 04:39 AM   #28
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Re: Poker und Strafrecht

Ich glaub er will nur nicht mit so Leuten wie McS und Sharkhunter diskutieren
FlippoManiacs is offline   Reply With Quote
Old 06-05-2011, 05:56 AM   #29
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Re: Poker und Strafrecht

Quote:
Originally Posted by K47W11 View Post
Im §284 steht ja nicht das Pokerspiel sei verboten, sondern Glücksspiele. Wenn nachgewiesen werden kann, dass Poker kein Glücksspiel ist, dann wäre dieser Paragraph nicht anwendbar.
Ahh, danke
DwarF is offline   Reply With Quote
Old 06-05-2011, 06:33 AM   #30
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Re: Poker und Strafrecht

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Originally Posted by FlippoManiacs View Post
Ich glaub er will nur nicht mit so Leuten wie McS und Sharkhunter diskutieren
Ich glaube, dass OP nicht durchschaut hat, dass er

a) wohl nicht unbedingt mit einer Strafanzeige wegen Pokern rechnen muss
b) wenn doch, nimmt er sich einen Anwalt, der mit ihm die Verteidigungslinie bespricht
c) wenn er sich richtig reinreiten will, er auf seinen Anwalt nicht hört und dann seine Verteidigung selbst übernimmt, Motto: Geschicklichkeitsspiel, bei dem ich gewonnen habe, habe dabei Zusatzsoftware eingesetzt, dann ist er nah dran am GAU.
Sharkhunter2005 is offline   Reply With Quote

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